Das Ältere Futhark: eine Referenz zu den 24 Runen (Glyphe · Name · Aussprache · Bedeutungen)
⚠️ Hinweis (VOR der Tabelle lesen)
Diese Referenz führt für jede Rune zwei verschiedene Schichten zusammen; sie dürfen nicht vermischt werden:
- Die historische Schicht — die rekonstruierte / historische Bedeutung des Runennamens (aus
Namen & Rekonstruktion der 24 Runen). Rekonstruktionen ≠ bezeugt.
In den Inschriften des Älteren Futhark selbst (~2.–8. Jh.) sind die Runennamen nicht niedergeschrieben —
die Urformen (fehu, ūruz …) werden mit der vergleichenden Methode aus den Runengedichten
(die Runengedichte (Dickins 1915)), den gotischen Buchstabennamen und der vergleichenden
germanischen Sprachwissenschaft erschlossen. Das Sternchen
*= eine rekonstruierte, unbezeugte Form. - Die esoterische Schicht — die Bedeutung nach Thorsson („Futhark", 1984, aus
Thorsson — Futhark (1984)). Das ist ein Revival des 20. Jh. (Edred Thorsson =
Stephen Flowers) — ein rekonstruiertes esoterisches System, NICHT Antike und KEINE bewiesene Magie. Jede solche
Bedeutung =
revival-claim(was der Autor behauptet), keine historische Tatsache. Die esoterische Schicht erweitert/uminterpretiert den historischen Kern und geht dabei manchmal über die Rekonstruktion hinaus.
Die Aussprachehinweise unten sind annähernd. Die Runen wurden nicht für das Englische gemacht; die Anmerkungen geben
die runologische Standard-Transliteration (den im Fachschrifttum verwendeten lateinischen Buchstabenwert)
sowie einen informellen Hinweis. Die meisten Runenlaute (þ, w, h) sind tatsächlich im Englischen heimisch — es sind
die umstrittenen oder ungewohnten (ï, ʀ, ŋ), die eine Anmerkung brauchen (siehe die „Laut"-Anmerkungen). Die in
den Namensformen angegebene Betonung folgt der rekonstruierten urgermanischen Betonung (gewöhnlich auf der ersten Silbe) — das
ist eine Lehrkonvention, keine bezeugte Aussprache.
Reihenfolge. Die Standard-Futhark-Reihe ist angegeben, 3 Ættir zu je 8. Das Ende der Reihe (Nr. 23–24) ist in der
bezeugten Reihenfolge (Kylver) angegeben: …ingwaz, dagaz, othila, d. h. d vor o. Ein Teil der Lehrliteratur
gibt die alternative Reihenfolge o vor d — das sind verschiedene Reihenfolgetraditionen, kein Fehler
(siehe Namen & Rekonstruktion der 24 Runen).
Neu bei Deutungen — oder fragst du dich, was wirklich alt ist? Siehe die FAQ zur Runen-Wahrsagerei: ehrliche Antworten darauf, ob die Wikinger mit Runen wahrsagten, ob die Bedeutungen alt sind und ob Deutungen treffsicher sind.
Übersichtstabelle (Schnellüberblick)
| Nr. | Glyphe | Name (rekonstr.) | Aussprachehinweis | Laut (Translit.) | Historische Bedeutung (kurz) | Esoterische Bedeutung — Thorsson (kurz) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Ætt I (Freyjas / Freyrs) | ||||||
| 1 | *fehu | FEH-hu | f | Vieh, Reichtum | „ewiges Werden", bewegliche Kraft, Fruchtbarkeit | |
| 2 | *ūruz | OO-ruz | u | Auerochse (Wildrind) | „die Mutter der Manifestation", gestaltende Kraft, Macht | |
| 3 | *þurisaz | THU-ri-saz | þ (≈ th, siehe ↓) | Thurse, Riese / Ungeheuer | Ása-Thor, Dorn, Schutz, Leben-Tod-Polarität | |
| 4 | *ansuz | AN-suz | a | (heidnischer) Gott, ein Áss | Odin der Asen; Wort, Gesang, Ekstase, Inspiration | |
| 5 | *raidō | RY-do | r | Reiten, Weg, Reise | kosmisches Gesetz/Ordnung, Ritual, Reise | |
| 6 | kaunan / kenaz | KOW-nan / KEH-naz | k | „Geschwür/Wunde" oder „Fackel" (umstritten) | beherrschtes Feuer, Fackel, Kreativität, Wille | |
| 7 | *gebō | GEH-bo | g | Gabe, Geschenk | Austausch von Göttern und Menschen, Vereinigung, Opfer | |
| 8 | *wunjō | WUN-yo | w (lippengerundet) | Freude, Glückseligkeit | Harmonie der Wesen aus einer gemeinsamen Quelle | |
| Ætt II (Hagalaz' / Heimdalls) | ||||||
| 9 | *hagalaz | HA-ga-laz | h | Hagel (Niederschlag) | „das kosmische Eis-Ei", Muster, Schutz | |
| 10 | *naudiz | NOW-diz | n | Not, Zwang, Bedrängnis | Notfeuer, Wille, „aus Not, Erlösung" | |
| 11 | *īsaz | EE-saz | i | Eis | „Welteis", Stille, das Ich | |
| 12 | *jēra- | YEH-ra | j (= y) | (gutes) Jahr, Ernte | Zyklus, das Sonnenjahr, Reifung | |
| 13 | ī(h)waz / eihwaz | EE-(h)waz / AY-hwaz | ï (umstritten, siehe ↓) | Eibe (Baum) | der Baum des Lebens/Todes, Yggdrasil (rekonstr.) | |
| 14 | perþrō / pertra | PER-thro / PER-tra | p | unbekannt (umstritten) | „das Muster des Werdens", die Nornen, Zeit, Karma | |
| 15 | algiz / elhaz | AL-giz / EL-haz | z (spät ʀ), siehe ↓ | „Elch" oder „Schutz" oder „Segge" (umstritten) | Schutz, Walküren, der heilige Hain | |
| 16 | *sōwilō | SOH-wi-lo | s | Sonne | das Sonnenrad, Wille, Erfolg, Ehre | |
| Ætt III (Tiwaz' / Týrs) | ||||||
| 17 | *tīwaz | TEE-waz | t | der Gott Tiwaz / Týr | der Gott Týr — Gesetz, Gerechtigkeit, Selbstopfer | |
| 18 | *berkanan | BER-ka-nan | b | Birke (Birkenzweig) | die Erdmutter, Geburt, Obhut | |
| 19 | *ehwaz | EH-waz | e | Pferd, Ross | das Paar Pferd–Mensch, Treue, Ehe | |
| 20 | *mannaz | MAN-naz | m | Mensch, Mann, das Menschengeschlecht | „der vollkommene Mensch", göttliche Struktur | |
| 21 | *laguz | LA-guz | l | Wasser, Feuchtigkeit, See | Wasser, Lebenskraft, Reinigung; Lauch/laukaz | |
| 22 | *ingwaz | ING-waz | ŋ (= ng) | der Gott/Held Ing / Ingwaz | der Erdgott, Fruchtbarkeit, Sex-Magie | |
| 23 | *dagaz | DA-gaz | d | Tag | das Tageslicht, Synthese der Gegensätze, Sieg | |
| 24 | ōþila- / ōþala- | OH-thi-la / OH-tha-la | o | Erbe, Stammgut, Erbgut | angestammtes Erbe, Ahnen, das heilige Gehege |
Die Transliteration erfolgt in lateinischer Schrift nach runologischer Konvention (
þ= th,ŋ= ng,z/ʀ= der späte Zischlaut). Einzelheiten der Aussprache und Anmerkungen zu Streitfragen stehen in den Abschnittskarten unten.
Karten je Rune
Kartenformat: Nr. + Glyphe · Name (Aussprachehinweis) · Laut (Translit. + Anmerkung)
· Geschichte (Geschichte/Rekonstruktion) · esoterisch (esoterisch nach Thorsson, revival-claim) ·
Anmerkung zum Streit (wo es einen gibt) · Runenbild.
Ætt I — Freyjas / Freyrs (Runen 1–8)
1. *fehu — „FEH-hu"
- Laut: Translit. f (ein direktes Äquivalent; wortanlautend könnte es der bilabiale /ɸ/ gewesen sein — nahe an „f", aber mit beiden Lippen gebildet).
- Geschichte: Vieh, Reichtum, bewegliches Gut. Die Bedeutung ist stabil (vgl. altenglisch feoh, gotisch
faihu).
historical-fact - Esoterisch (Thorsson,
revival-claim): „die Rune des ewigen Werdens"; eine bewegliche, expansive Kraft/Energie, Reichtum, Fruchtbarkeit, „das Feuer des Kosmos"; die Projektion und Übertragung der Seele und der magischen Kraft von Person zu Person.
2. *ūruz — „OO-ruz"
- Laut: Translit. u (langes /uː/, das „oo" in „food", gedehnt).
- Geschichte: Auerochse / Wildrind (aurochs). Das altenglische Gedicht gibt „Auerochse"; das norwegische/isländische
Gedicht weichen ab („Schlacke/Abfall", „Nieselregen").
historical-fact(mit Abweichung in den Gedichten) - Esoterisch (
revival-claim): „die Mutter der Manifestation"; die gestaltende Kraft (aber nicht die Form selbst), die Mutterschaft der Manifestation, Ordnung, Struktur; Assoziationen — der Auerochse, Regen, die Ur-Essenz; Stärke, Gesundheit, Mut.
3. *þurisaz — „THU-ri-saz"
- Laut: Translit. þ (th).
þ= der stimmlose dentale Frikativ (≈ englisches „th" in thing); die Zungenspitze zwischen den Zähnen. Im Englischen heimisch, daher ist für einen Englischsprecher keine besondere Anmerkung nötig. - Geschichte: Thurse, Riese / Ungeheuer. Die Bedeutung „Riese/Thurse" ist in der skandinavischen Tradition stabil.
historical-fact(Der Streit um den Ursprung des Graphems selbst — aus dem lateinischen D oder dem rätischen Θ — berührt die Bedeutung nicht.) - Esoterisch (
revival-claim): „der Starke/Riese"; Ása-Thor als Feind der unfreundlichen Kräfte, der Hammer, der Dorn am Zweig; „kosmische phallische Kraft", die Leben-Tod-Polarität, Regeneration und Befruchtung; Schutz.
4. *ansuz — „AN-suz"
- Laut: Translit. a (kurzes /a/; eine Nasalierung ~/ã/ ist möglich, „a durch die Nase").
- Geschichte: (heidnischer) Gott, ein Áss (vgl. altnordisch áss). Das angelsächsische Gedicht deutete den Namen um zu
„Mund/Sprache" (Os).
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): „Gott, Ahnengott"; Odin der Asen; die Aufnahme–Umwandlung– Äußerung geistiger Kraft/Erkenntnis; Wort, Gesang, Dichtung, die Galdr-Beschwörung (galdr); Ekstase, Inspiration, angestammte magische Kraft.
5. *raidō — „RY-do"
- Laut: Translit. r (ein gerolltes „r").
- Geschichte: Reiten, Weg, Reise.
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): das kosmische Gesetz der Richtigkeit und archetypischen Ordnung; rechtes Handeln, Ritual, Rhythmus, die Reise durch die Neun Welten; spiralförmige Entwicklung, die Zyklen des Daseins.
6. kaunan / kenaz — „KOW-nan" / „KEH-naz"
- Laut: Translit. k (ein direktes Äquivalent).
- Geschichte: ⚠️ eine umstrittene Rune — zwei konkurrierende Rekonstruktionen:
- kaunan → „Geschwür, Wunde, Beule" (gestützt auf das isländische Gedicht kaun*);
- kenaz → „Fackel, Spanlicht" (gestützt auf altenglisch cēn).
Das sind verschiedene Etymologien mit verschiedener Semantik*, keine Schreibvarianten.
[unverified]
- Esoterisch (
revival-claim): beherrschtes Feuer; Feuerbestattung; das Ideogramm — eine Fackel; Regeneration durch Tod/Opfer, Kreativität, sexueller Trieb, der Schöpfungswille. ⚠️ Thorsson nimmt nur den „Fackel/Feuer"- Zweig und ignoriert den „Geschwür"-Zweig — eine Deutungswahl, keine Tatsache.
7. *gebō — „GEH-bo"
- Laut: Translit. g (ein hartes „g", wie in „good").
- Geschichte: Gabe, Geschenk.
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): das, was zwischen Göttern und Menschen ausgetauscht wird; Gabe, Geben, Vereinigung, Opfer; die Kreuzung zweier Strahlen / die Wechselwirkung zweier Kräfte; der „Bruder/Schwester-Geliebte", psychosexuelle Kraft.
8. *wunjō — „WUN-yo"
- Laut: Translit. w = der labial-velare Approximant (englisches w in water); die Lippen sind gerundet, die Zähne sind nicht beteiligt. Im Englischen heimisch; beachte, dass es nicht der Lippen-Zähne-Laut „v" ist.
- Geschichte: Freude, Glückseligkeit.
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): die Harmonie der Wesen, die aus einer gemeinsamen Quelle kommen; Freude, Glück; das Band der Sippen und Stämme.
Ætt II — Hagalaz' / Heimdalls (Runen 9–16)
9. *hagalaz — „HA-ga-laz"
- Laut: Translit. h = ein leichter Hauch /h/ (englisches h in house).
- Geschichte: Hagel (atmosphärischer Niederschlag).
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): „das kosmische Eis-Ei" — der Same des kosmischen Urlebens und Musters; Vollendung, Vereinigung, Evolution innerhalb von Grenzen, Schutz; Assoziation — die Neun Welten Yggdrasils (die Zahl 9).
10. *naudiz — „NOW-diz"
- Laut: Translit. n (ein direktes Äquivalent).
- Geschichte: Not, Zwang, Bedrängnis.
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): Not, Bedrängnis; „aus Bedrängnis Erlösung schaffen"; das selbst erzeugte Feuer (Notfeuer); der auf das Handeln gerichtete Wille; Widerstand als notwendige Kraft.
11. *īsaz — „EE-saz"
- Laut: Translit. i (langes /iː/, das „ee" in „see", gedehnt).
- Geschichte: Eis.
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): Eis („Welteis"), „Antimaterie"; Konzentration, Stille, die Abwesenheit von Schwingung; das „Ich" / das individuelle Selbst.
12. *jēra- — „YEH-ra"
- Laut: Translit. j = „y" (wie das y in „yes" / j im deutschen ja; nicht das englische „j" von „jam").
- Geschichte: (gutes) Jahr, Ernte (altenglisch gēr/ger).
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): Zyklus; das Sonnenjahr (die Zahl 12), der „zwölffache Zyklus"; Wachstum, Fruchtbarkeit, Lohn, Reifung.
13. ī(h)waz / eihwaz — „EE-(h)waz" / „AY-hwaz"
- Laut: Translit. ï (auch æ, e²) — der Wert ist umstritten. ⚠️ Der phonetische Wert des
Zeichens ist höchst umstritten: Es könnte ein Diphthong gewesen sein, es könnte ein Monophthong irgendwo
zwischen einem vorderen und einem hinteren Vokal gewesen sein (≈ „ee"/„eh"/„ay"). Es gibt kein festes Äquivalent, gerade weil
es keine Einigkeit über den Laut gibt.
[unverified] - Geschichte: Eibe (Baum) — die Bedeutung des Namens ist stabil, anders als der Laut.
historical-fact(die Bedeutung) +[unverified](die Phonetik). - Esoterisch (
revival-claim): der Baum des Lebens und des Todes — die Eibe, Yggdrasil; die zyklische Natur des Multiversums, „das Geheimnis des ewigen Kreises"; Wiederherstellung/Wiedergeburt, geistige Ausdauer; ein Schutzstab.
14. perþrō / pertra — „PER-thro" / „PER-tra"
- Laut: Translit. p (ein direktes Äquivalent).
- Geschichte: ⚠️ die Bedeutung ist NICHT erschlossen („nicht festgestellt"). Die dunkelste Rune; die Form des
Namens ist ebenfalls instabil (perþrō / perþ- / *pertra). Spekulative Vermutungen: „Würfelbecher / Los", „Birnbaum",
„Vulva" — alle ohne Stütze. Looijenga (1997): möglicherweise eine Variante des Zeichens
b.[unverified] - Esoterisch (
revival-claim): „das große Muster des kosmischen Werdens"; Zeit, die Gesetze der Nornen, Ursache–Wirkung, Evolution–Wandel; Synchronizität; „das Prinzip, das dem germanischen Gewohnheitsrecht zugrunde liegt", mit dem Sanskrit-Karma verbunden. ⚠️ Der historische Name hat keine Stütze — die „Geschichte ↔ Esoterik"- Divergenz ist hier am größten; das ist reines Revival des 20. Jh.
15. algiz / elhaz — „AL-giz" / „EL-haz"
- Laut: Translit. z (spät ʀ).
z/ʀ= ein später stimmhafter/stimmloser Zischlaut, der sich zu „r/z" entwickelte; im Älteren Futhark bezeichnete es einen besonderen Zischlaut (irgendwo zwischen „z" und „r").[unverified] - Geschichte: ⚠️ der Name und die Bedeutung sind umstritten. „Der ursprüngliche Name ist unbekannt, nur in einer
verzerrten altenglischen Form erhalten" (“The original name is unknown, surviving only in a distorted Old English form”) (eolh(x) „Elch-Segge"). Rekonstruktionen: algiz/elhaz („Elch/Hirsch").
Vorgeschlagene Bedeutungen: „Schutz/Abwehr", „Segge" — aber „keine kommt im übrigen runologischen
Schrifttum vor" (“none occurs in the rest of the runological literature”) (Wikipedia).
[unverified] - Esoterisch (
revival-claim): Schutz; die Walküren, eine Bindung an auserwählte Helden (hugrún); der heilige Ort/Hain, kosmische Hirsche, die an den Nadeln der Welt nagen; Bifröst, die Kraft der hamingja, „ein schützendes Gesetz". ⚠️ Thorsson fixiert einen umstrittenen Zweig („Schutz") als gegeben + den esoterischen Überbau.
16. *sōwilō — „SOH-wi-lo"
- Laut: Translit. s (ein direktes Äquivalent).
- Geschichte: Sonne.
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): das Sonnenrad; magischer Wille, Kraft, Erfolg, Ehre; die weibliche Natur der Sonnenenergie; der Weg durch Yggdrasil; ein Ehrenkodex.
Ætt III — Tiwaz' / Týrs (Runen 17–24)
17. *tīwaz — „TEE-waz"
- Laut: Translit. t (ein direktes Äquivalent).
- Geschichte: der Gott Tiwaz / Týr (Týr) — ein Theonym (vgl. altnordisch Týr).
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): der Gott Týr — Gesetz und Gerechtigkeit; der Himmelsgott, Selbstopfer, „die Rune der Könige und großen Anführer"; Gerechtigkeit, Krieg (für den Sieg angerufen); die „Weltsäule" / Irminsul.
18. *berkanan — „BER-ka-nan"
- Laut: Translit. b (ein direktes Äquivalent).
- Geschichte: Birke (Birkenzweig).
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): die Erdmutter; Geburt, der Leben-Tod-Zyklus, „Bergen/Austragen", die Verkörperung von Ideen; Schutz, Verbergung, Zufluchtsorte (Höhlen, „Erdhäuser").
19. *ehwaz — „EH-waz"
- Laut: Translit. e (kurzes /e/, das „e" in „bed").
- Geschichte: Pferd, Ross (vgl. lateinisch equus — ein indoeuropäisches Kognat).
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): gepaarte Götter/Helden in Pferdegestalt; harmonische duale Einheit, das Band von Mensch und Pferd, Treue, Vertrauen, rechtmäßige Ehe; Fruchtbarkeit, Reise zwischen Welten; mit Freyr verbunden.
20. *mannaz — „MAN-naz"
- Laut: Translit. m (ein direktes Äquivalent).
- Geschichte: Mensch, Mann, das Menschengeschlecht.
historical-fact - Esoterisch (
revival-claim): „göttliche Struktur" / das göttliche Band im Menschen; Intellekt, der Androgyn, der Initiierte; der Archetyp des männlichen/weiblichen Prinzips, „der vollkommene Mensch", das Band zu den Göttern.
21. *laguz — „LA-guz"
- Laut: Translit. l (ein direktes Äquivalent).
- Geschichte: Wasser, Feuchtigkeit, See. Eine alternative Lesung „Lauch" (laukaz?) — seltener.
historical-fact(mit einem selteneren alternativen Zweig) - Esoterisch (
revival-claim): Wasser; Lebenskraft, der Leben/Tod-Übergang; Wassermagie, Rituale der Reinigung/Erneuerung; „Lauch" (leek) / laukaz (Wachstum, Wohlergehen); Weisheit, Emotionen. ⚠️ Thorsson verschmilzt beide Zweige (Wasser + laukaz); in der historischen Schicht werden sie getrennt gehalten.
22. *ingwaz — „ING-waz"
- Laut: Translit. ŋ (ng) = der velare Nasal /ŋ/ (das „ng" in „gong"; ein einzelner Laut, nicht „n"+„g" getrennt).
- Geschichte: (der Gott/Held) Ing / Ingwaz — ein Theonym; die Form des Namens ist aus dem Theonym
Ingwaz erschlossen. Das Zeichen selbst ist in den Inschriften selten.
historical-fact(der Name — eine Rekonstruktion aus dem Theonym). - Esoterisch (
revival-claim): der Erdgott; potenzielle Energie, Austragung (Tragen), Sex-Magie; „der Gatte-Verbündete der Erdmutter", das Fruchtbarkeitsritual, der Energiezyklus, die Wiedererlangung der Kraft.
23. *dagaz — „DA-gaz"
- Laut: Translit. d (ein direktes Äquivalent).
- Geschichte: Tag.
historical-fact(⚠️ In der alternativen Reihenfolge steht sie NACH othila — siehe den Hinweis.) - Esoterisch (
revival-claim): das Tageslicht; Polarität, Synthese/Synkretisierung, „das Paradox der Einheit"; Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, der Morgen-/Abendstern, der Moment der mystischen Synthese der Gegensätze; Sieg.
24. ōþila- / ōþala- — „OH-thi-la" / „OH-tha-la"
- Laut: Translit. o (kurzes /o/, das „o" in „off").
- Geschichte: Erbe, Stammgut, Erbgut. Die Bedeutung ist stabil; die Form des Namens
schwankt ōþila- / ōþala-.
historical-fact(⚠️ In der alternativen Reihenfolge steht sie VOR dagaz.) - Esoterisch (
revival-claim): unbewegliches Erbgut; angestammtes/geistiges Erbe, das Band mit den Ahnen, „die runischen Prägungen der tugendhaften Taten der Ahnen"; das heilige Gehege, bewahrte Freiheit, Wohlstand; der Übergang vom Egozentrismus zum kollektiven Zentrismus.
Eine Anmerkung zu den „schwierigen" Lauten (kein genaues alltägliches englisches Äquivalent)
| Zeichen | Translit. | Was es ist | Anmerkung für einen Englischsprecher |
|---|---|---|---|
| þ | der stimmlose dentale Frikativ (englisches „th" in thing), Zunge zwischen den Zähnen | im Englischen heimisch — das „th" von thing | |
| w | der labial-velare Approximant (englisches w in water), Lippen gerundet | im Englischen heimisch; nicht das Lippen-Zähne-„v" | |
| h | ein leichter Hauch (englisches h in house) | im Englischen heimisch — das h von house | |
| ï | der Laut ist umstritten (Diphthong? Monophthong zwischen vorn und hinten?) | kein vereinbartes Äquivalent — [unverified] |
|
| z / ʀ | ein besonderer Zischlaut, später → „r/z" | zwischen „z" und „r" — kein genaues Äquivalent [unverified] |
|
| ŋ | der velare Nasal (das „ng" in „gong") | „ng" als ein einzelner Laut |
Verknüpfungen
- Namen & Rekonstruktion der 24 Runen — die rekonstruierten Namen, Laute und Bedeutungen (die Quelle der historischen Schicht).
- die Runengedichte (Dickins 1915) — die Runengedichte, der primäre textliche Einstiegspunkt zur Rekonstruktion der Namen.
- Thorsson — Futhark (1984) — die esoterischen Bedeutungen nach Thorsson (die Quelle der esoterischen Schicht, ein Revival des 20. Jh.).
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