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Runoscript · Runen (akademisch)

Tacitus, Germania, Kap. 9–10 — die Losweissagung der Germanen

Zusammenfassung

Kapitel 9 gibt den religiösen Kontext: die Germanen verehren „Mercurius" (interpretatio romana — wahrscheinlich Wodan/Odin), „Hercules" und „Mars"; ein Teil der Sueben — „Isis." Sie schließen die Götter nicht in Mauern ein und bilden sie nicht in menschlicher Gestalt ab, sondern weihen ihnen Haine und Wälder. [historical-fact]

Kapitel 10 beschreibt die Weissagungspraxis. Die Germanen verlassen sich „vor allem" auf Vogelschau und Lose (sortes). Das Verfahren: ein Zweig wird von einem fruchttragenden Baum geschnitten, in Stäbchen (surculi) zerteilt, mit „bestimmten Zeichen" (notae) markiert und zufällig über ein weißes Tuch gestreut. Der Priester (bei einer öffentlichen Angelegenheit) oder das Familienoberhaupt (bei einer privaten) ruft die Götter an, zum Himmel blickend, hebt jedes Stäbchen dreimal auf und deutet sie „nach dem zuvor eingeprägten Zeichen." Weiter im selben Kapitel — Weissagung aus dem Vogelflug, aus dem Wiehern und Schnauben heiliger weißer Pferde und aus dem Ausgang eines Zweikampfs zwischen einem Gefangenen und einem Stammesangehörigen. [historical-fact] [ethnographic-data — eine äußere römische Beobachtung, keine Selbstbezeugung der Germanen]

Zentrale Aussagen

Wörtlich: „einen von einem fruchttragenden Baum geschnittenen Zweig zerteilen sie in Stäbchen, und diese, durch bestimmte Zeichen (notis quibusdam) unterschieden, streuen sie planlos und zufällig über ein weißes Tuch."

Warum das für die Runologie umstritten ist