Runenmagie ist nicht eine Tradition, sondern mehrere junge Subkulturen (eine Ethnografie)
Eine kritische Schlussfolgerung aus dem ethnografischen Korpus des Projekts (11 Sprachen): was Menschen „Runenmagie" nennen, ist keine einzelne alte Tradition, sondern mehrere junge (20.–21. Jh.) Subkulturen mit unterschiedlichen Graden an Tarotisierung, Quellendisziplin und Selbstkritik. Dies ist
ethnographic-data(eine Beobachtung von Gemeinschaften); es knüpft an die Zeitleiste des Runen-Revivals an.
Die These
„Runenmagie" als gelebte Praxis ist modern und heterogen. Regionale Gemeinschaften sind zu deutlich verschiedenen Systemen gelangt, und fast der gesamte Überbau stammt aus dem 20. Jh. und später (Thorsson, Aswynn, Blum), nicht aus dem Altertum. Die Karte:
- RU — eine eigenständige Schicht aus ogovor / obratka / stavy (eine gesprochene Ladung, ein Rückschlag, Bindrunen — eine eigene Terminologie, keine Lehnübersetzung aus dem Englischen).
- EN / ES / PT / HU — eine Tarotisierung der Runen (Umkehrungen, Tarot-artige Legungen, „Hexenrunen" außerhalb des Futhark, Blums „leere Rune").
- DE / Skandinavien / FI-Reenactors — näher an der Quelle, mit Quellendisziplin.
- PL / TR — mit eingebauter Selbstkritik (sie selbst nennen es Placebo und Umkehrungen „keine Tradition").
Derselbe Glyph trägt unterschiedliche Bedeutungen und Verwendungen quer durch diese Gemeinschaften — was an sich ein Argument gegen „ein einzelnes altes System" ist.
Zwei hartnäckige Fehler in den Gemeinschaften
- Autoritätswäsche / „das Alte". Umgekehrt/Merkstave, die „leere Rune", die Korrespondenzschicht
(Tarot/Tierkreis/Chakren), selbst der ogovor — alles sind späte Erfindungen, werden aber regelmäßig als alte
Tradition präsentiert. Vergleiche „Valknut — selbst der Name ist eine moderne Erfindung" (valknut — even the name is a modern invention) (die disziplinierte Q&A-Schicht stellt dies
ausdrücklich fest). Der ehrliche Tag:
revival-claim, nichthistorical-fact. - Unfalsifizierbarkeit macht „es wirkt" unwiderlegbar (siehe Verzerrungen in der gelebten Praxis).
Eine ethische Markierung: die folkische/Armanen-Peripherie — abzuschneiden
Ein bedeutender Teil des „germanisch-runischen" Online-Milieus ist folkisch / völkisch / weiß-nationalistisch /
Armanen (von Lists Ariosophie, „arische"/„slawisch-arische Runen"). Es wurde nicht als
ethnographic-data in den Korpus aufgenommen; eine Sperrliste wurde erstellt (AFA, Skadi, Stormfront-Bereiche, Wotansvolk, Die
Artgemeinschaft, RU velyaruna/blackmagicv, DE Germanenherz/Annerbe u. a.).
Solches Material ist nur Gegenstand der Kritik (siehe Runenyoga — Ursprünge und Ethik zum
ideologischen Ballast), keine Quelle der Praxis; nicht verstärken.
Was ermutigend ist
Selbstkritik ist bereits innerhalb der Gemeinschaften vorhanden: die PL/DE/SE/FI-Reenactors und ein Teil der RU-Szene benennen unverhohlen Placebo, moderne Erfindung und nationalsozialistische Aneignung — ein Verbündeter der ehrlichen Rahmung des Projekts.