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Runoscript · Runen (akademisch)

Runen in der altnordischen Literatur — die Lieder-Edda

ZENTRALER EHRLICHKEITS-TAG (zuerst lesen). Dies ist eine literarische Quelle, keine epigraphische. Die Texte der Lieder-Edda überleben im isländischen Codex Regius (GKS 2365 4to), niedergeschrieben ~1270 (13. Jh.); die Gedichte selbst sind älter, aber die Datierung der mündlichen Überlieferung ist umstritten. Dies ist ein spätes Denkmal, möglicherweise mit christlichem Einfluss und literarischer Stilisierung. Es bezeugt spätmittelalterliche literarische Vorstellungen von Runen und Runenmagie und NICHT die tatsächliche Praxis der Epoche der Runeninschriften (das ältere Futhark, 3.–8. Jh.). Der historical-fact-Tag unten bedeutet strikt „der Text sagt X", nicht „so wurde es tatsächlich praktiziert". Die Verbindung zwischen dem literarischen Kanon und der Epigraphik ist eine eigene offene Frage (siehe unten). [unverified] — wo die Formulierung auf sekundären Beschreibungen ruht statt auf einem wörtlichen, geprüften Text.

Zusammenfassung

Drei Fragmente der Lieder-Edda (Übersetzung Bellows, 1923, gemeinfrei) bilden den Kern der altnordischen literarischen Runenüberlieferung:

  1. Hávamál, „Rúnatal" („die Runenliste", Strophen ~138–145 nach der altnordischen Zählung / 139–146 nach Bellows): der Mythos der Gewinnung der Runen. Odin beschreibt, wie er neun Nächte am windigen Baum (Yggdrasil) hing, von einem Speer durchbohrt, sich selbst als Opfer dargebracht, ohne Speise und Trank, wonach er mit einem Schrei „die Runen aufnahm". Dies ist ein mythologischer Akt der Selbstopferung für heiliges Wissen.

  2. Hávamál, „Ljóðatal" („die Liste der Lieder/Zaubersprüche", Strophen ~146–163 nach der altnordischen Zählung / 147–165 nach Bellows): Odin zählt 18 ljóð auf — magische Lieder/Zaubersprüche (Heilung, das Brechen von Fesseln, das Löschen von Feuer, das Beruhigen eines Sturms, das Erwecken Gehängter, Liebeszauber usw.). Dies sind Beschwörungslieder (galdr), keine Runenformeln als solche; die Verbindung mit Runen ist hier thematisch, nicht explizit.

  3. Sigrdrífumál: die Walküre Sigrdrífa unterweist den Helden Sigurd über die Arten von „magischen" Runen, die an Funktionen und Träger gebunden sind (Sieg, Bier/Schutz vor Verrat, Geburt, Seefahrt, Heilung, Rede/Rechtsstreit, Gedanke).

Hinweis zur Zählung: Bellows verschiebt, Müllenhoff folgend, die Strophe „Ljóðalok" an den Anfang des Abschnitts, sodass seine Strophennummer für den „windigen Baum" 139 ist, während sie in den meisten Editionen des altnordischen Textes (und in der Aufgabenstellung) 138 ist. Unten gebe ich beide Systeme an. historical-fact (die Divergenz der editorischen Zählungen ist eine etablierte Tatsache der Textkritik).

Zentrale Behauptungen

1. Rúnatal — die Gewinnung der Runen (Hávamál)

2. Ljóðatal — die Liste der 18 Zaubersprüche (Hávamál)

historical-fact Odin zählt 18 ljóð auf (Beschwörungslieder). Bellows-Zählung (Strophen 147–165), altnord. ~146–163. Dies sind galdr (beschwörendes Singen), keine Runeninschriften; im Text werden sie nicht als „Runenformeln" beschrieben. Eine Zusammenfassung der Funktionen nach dem Text:

Nr. Bellows-Strophe Was es bewirkt (nach dem Text)
1 147 Hilfe in Kummer, Schmerz, Krankheit
2 148 Heilkunst (Heilung)
3 149 die Klinge des Feindes stumpf machen
4 150 die Fesseln/Bande an Händen und Füßen brechen
5 151 einen fliegenden Pfeil/Speer aufhalten
6 152 Schaden (einen Fluch auf einer Wurzel) auf den Absender zurücklenken
7 153 Feuer in einer Halle löschen
8 154 die Fehde von Kriegern versöhnen
9 155 Wind und Wellen beruhigen, ein Schiff retten
10 156 „Hexenreiter" (túnriður) von ihrer Bahn abbringen
11 157 Freunde im Kampf schirmen (ein Lied unter dem Schild)
12 158 den Gehängten wiederbeleben/zum Sprechen bringen
13 159 Wasser auf einen jungen Krieger sprengen (Schutz im Kampf)
14 160 die Namen der Götter und Elfen kennen
15 161 Weisheit/Macht (das Lied des Zwergs Thjóðrörir)
16 162 die Gedanken/Liebe einer Maid wenden
17 163 die Zuneigung einer Maid halten
18 165 ein geheimes Lied — niemandem offenbart außer einer Schwester/Geliebten

[unverified] Die genauen Schattierungen einzelner Strophen (besonders 156 túnriður und 162–163 die Liebes-Strophen) hängen stellenweise von der Übersetzung ab; das Obige ist eine funktionale Zusammenfassung nach Bellows, keine wörtlichen Zitate für jede einzelne.

3. Sigrdrífumál — die Arten von „magischen" Runen

historical-fact Die Walküre zählt benannte Klassen von Runen nach Funktion und Ort des Ritzens auf. Die Locatoren sind Strophen der Sigrdrífumál (Bellows ~6–13). Die wörtlichen Anfänge und Orte des Ritzens nach Bellows:

historical-fact Weiter (Strophen ~13–19) spricht der Text vom mythischen Ursprung der Runen (Runen, aus dem Haupt Mímirs / Heiddraupnirs geschnitten; Runen geritzt auf den Schild Svafnir, auf die Zähne von Pferden, auf die Tatzen des Bären, auf Bragis Zunge usw.) — ein literarisches Motiv der „Allgegenwart" der Runen, keine praktische Anweisung.

Verbindung zur Praxis (Esoterik / Revival)

Alles in diesem Abschnitt ist revival-claim: dies sind Konstruktionen des 19.–21. Jh., die auf den zitierten literarischen Texten ruhen, nicht die historischen Praktiken selbst.

Verweise