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Runoscript · Bücher — Zusammenfassungen

Abecedarium Nordmannicum — die Kontexte und Funktionen des mittelalterlichen Merkverses zum Runenalphabet

Zusammenfassung

Ein Aufsatz der Mediävistin Kathrin Chlench-Priber (Bern) in der polnischen Zeitschrift Quaestiones Medii Aevi Novae, Bd. 24 (2019), pp. 5–22 — eine quellenkritische und historisch-kontextualisierende Lesung des Abecedarium Nordmannicum (im Folgenden AN). Keine Magie und keine Esoterik, sondern klassische Runologie/Paläographie, eingebettet in die karolingische Skandinavienmission.

Das AN ist ein kurzer mnemonischer „Reim" zum Einprägen der Namen und der Reihenfolge der 16 Runen des Jüngeren Futhark (Langzweig- / „dänische Normalrunen"), überliefert in einer einzigen Handschrift — dem Vademecum des Walahfrid Strabo (Sankt Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. 878). Die Autorin überprüft erneut die „Standard"-Hypothese (ein dänisches Modell → eine altsächsische Übersetzung), gestützt auf jüngere Forschung — vor allem die linguistische Analyse von Thomas Klein und die neuere paläographisch-kodikologische Arbeit von Wesley M. Stevens (2018) zum Vademecum — und kommt zu dem Schluss, dass der Text höchstwahrscheinlich eine ursprünglich altsächsische Komposition ist, entstanden in einem klösterlich-gelehrten Milieu auf dem Kontinent, und nicht eine Übersetzung eines fertigen nordischen Runenverses.

Die Hauptargumentationslinien: (1) die sprachlichen Schichten des AN; (2) das Netz vergleichbarer Handschriften (Leiden, Emmeram/München); (3) das Verhältnis des AN zum Traktat De inventione litterarum; (4) die Datierung von Walahfrids Hand; (5) der Kontext der Nordmission (Ansgar, Corbie/Corvey); (6) die Funktion des Textes als Merkhilfe für klösterliche Schüler.

Dies ist eine wissenschaftliche Sekundärquelle über das AN — sie ergänzt die bestehende Zusammenfassung des AN-Textes selbst, statt sie zu duplizieren (die Zusammenfassung des Abecedarium Nordmannicum, nach der Edition Dickins 1915).

Wichtige Aussagen (Tags + Fundstellen)