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Runoscript · Bücher — Zusammenfassungen

R. I. Page — Runes and Runic Inscriptions: Collected Essays (1995)

Zusammenfassung

Eine Sammlung von 23 Aufsätzen des Doyens der angelsächsischen Runologie, R. I. Page (1924–2012), zu seinem 70. Geburtstag aus Veröffentlichungen von 1958–1994 zusammengetragen. Herausgeber David Parsons; Bibliografie von Carl Berkhout. Es überarbeitet Pages Opuscula Runologica; das erste Stück („Quondam et Futurus", 1994) wurde für den Band geschrieben, das letzte („Runeukyndige Risteres Skriblerier") war unveröffentlicht. Die meisten Aufsätze betreffen angelsächsische Runen (das fuþorc: Inschriften auf Steinen, Münzen, Waffen, handschriftliche runica manuscripta); zwei betreffen die skandinavischen (Wikinger-)Runen der Isle of Man.

Page bezeichnete sich selbst als „skeptischen, nicht romantischen Runologen" (Vorwort) — und das ist das methodische Rückgrat des ganzen Bandes. Seine Schule ist die „field runology", die auf dem Studium des Verhältnisses von Artefakt und Text besteht statt auf „Schreibtisch"-Arbeit an abgeschriebenen Lesungen. Der Band ist für die Frage „was ist alt / was ist erfunden" wertvoll, weil Page die magischen/romantischen Deutungen der Runen systematisch bestreitet und Belege statt Annahmen verlangt. Das Vorwort zitiert D. M. Wilsons „Gesetze der Runo-Dynamik": (1) jede Inschrift hat so viele Deutungen wie Interpreten; (2) wenn man sie nicht versteht, ist es Magie. Page nennt das zweite „ein wohlbekanntes epigraphisches Gesetz: alles Unverstandene ist Magie" (Magic-Aufsatz, S. 154) und bekämpft eben dieses.

Der Band ist akademischer Mainstream (T1), geschrieben vor und unabhängig von der modernen Esoterik; „Machtrunen", Kulte und Fantasy-Literatur werden im Vorwort genau als die Welle erwähnt, gegen die echte Wissenschaft nötig ist.

Die Aufsätze

(chronologisch nach dem einleitenden)

Kernaussagen

Runenmagie — die zentrale Debatte („Anglo-Saxon Runes and Magic", 1964)

Die Solidi: eine Kritik der Amulett-Lesung („Schweindorf-Solidus", 1968)

Säuberung des Korpus: „Runes and Non-Runes" (1969)

Das Wesen der Schrift — Handschrift vs. Epigraphik, Transliteration

Die Wikinger-(skandinavischen) Runen der Isle of Man

Techniken

Der Band enthält keine direkten „praktischen" Techniken (Runenstäbe, Sprüche als Anleitungen) — es ist eine akademische Quelle. Für die Praxis-Schiene relevant sind nur die beschriebenen historischen/literarischen Praktiken, die Page kritisch prüft:

Qualität der Belege

T1, die höchste akademische Autorität — aber eine Aufsatzsammlung 1958–1994: Die Methodik der frühen Artikel (rein philologisch) ist nach Pages eigenem Eingeständnis in „Quondam et Futurus" zugunsten der „field runology" und der Fragen von Schriftlichkeit und Textlayout „überholt/ marginalisiert". Einzelne frühe Lesungen sind mit Rücksicht auf ihr Datum zu halten.

Der Hauptwert des Bandes ist seine methodische Skepsis und die Trennung von „bewiesen" und „angenommen". Page leugnet die Runenmagie nicht pauschal (er gesteht einzelne unbestreitbare Fälle in Skandinavien zu, lässt eine Doppelfunktion eines Textes zu), aber er zerlegt die Annahme „Runen = eine magische Schrift" und verlangt kontextuelle Belege. Für diese Schiene ist es eine primäre akademische Stütze gegen romantisch/esoterische und von-List/Thorsson-Behauptungen einer alten „Runenkraft": Magie ist für das angelsächsische England nicht bewiesen, die literarischen Quellen sind spät, viele „magische Amulette" sind tatsächlich gewöhnliche Namen oder Münzen.

Innerhalb der Wissenschaft gibt es eine lebendige Debatte, die Page ehrlich führt: Derolez (eine Welt der handschriftlichen/epigraphischen Runen, Pessimismus über die kleine Stichprobe) gegen Page (≥2 Welten, maßvoller Optimismus). Dies ist als verschiedene Deutungen zu verzeichnen, ohne die „richtige" zu wählen.

Verweise